12. April 2008
Mittendrin statt nur dabei und jetzt vorbei?
Eigentlich sollte dies ein ausführlicher Bericht über meinen zweitägigen Besuch bei Hase und Travolta werden. Wurde es auch, aber nur bis zu meinem unsäglichen Blackout (s.u.).
Somit können wir nun nur noch hoffen, dass Travolta mein dummes Gerede ignoriert und nicht weiter nachforscht. Sonst fliegen wir in den nächsten Tagen auf, kein Zweifel.
11. April, 18 Uhr 30: offline im Zug
Zu dem Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe, ist noch nicht klar, wann sie veröffentlicht werden können; gleichwohl will ich mal so tun, als berichte ich in Echtzeit - worüber denn eigentlich? Rechtfertigt das Thema die Illusion eines Live-Tickers? (Vor allem, wenn man bedenkt, dass selbst für den Fall, dass ich tatsächlich online wäre, grob geschätzt niemand den Fortgang meiner Erzählung verfolgen würde…)
Gleichwohl: ja. Wenn irgend etwas im Rahmen dieses Blogs eine imaginäre Liveberichterstattung rechtfertigt, dann sind das selbst nach progressiver Lesart maximal fünf Themen:
- der Antrag.
Leider konnte ich dabei nicht Mäuschen spielen. Immerhin können wir diesbezüglich zumindest theoretisch mit einem Surrogat aufwarten: Travolta hat meinem Mitblogger s vor einigen Wochen die Geschehnisse an Heiligabend detailliert geschildert, sodass s sehr ausführlich über Hintergründe, romantische Aspekte und zeitliche Restriktionen der Antragstellung berichtenkonntekönnte. Ein entsprechender Blogeintrag befindet sich seit ungefähr 10 Wochen im Entwurfsstadium - immerhin, die Überschrift steht. - die Hochzeit selbst.
Wir arbeiten daran. Es sollte möglich sein, am Ort des Geschehens in Echtzeit zu bloggen, keine Frage. Hase und Travolta würden es möglicherweise für unangemessen halten, dass wir es scheinbar nicht geschafft haben, unsere Kinderbilder-Powerpoint-Präsentation rechtzeitig im Vorfeld fertig zu stellen, aber damit könnten wir umgehen. Die Frage nach dem Publikum könnte sich bis dahin auch geklärt haben, wenn man davon ausgeht, dass nun, da alle Gäste über die bevorstehende Hochzeit informiert sind, auch dieses Blog sukzessive bekannt gemacht wird. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass besagtes Publikum zu eben diesem Zeitpunkt besseres zu tun hat - also doch wieder keine Leser… - eine Absage.
Dieses Szenario will ich nicht vertiefen. Sicherlich, ein Livereport davon würde manchen zusätzlichen Leser anlocken, aber erstens sind das nicht die Leser, die ich mir wünsche, und zweitens (und vor allem) wird dieser Fall nicht eintreten. Michaela und Lars haben so etwas mal vorsichtig angedeutet, und ich will nicht wissen, wie hoch zumindest kurzzeitig die Pulsfrequenz der engeren Verwandtschaft ausschlug. - vor-Ort-Eindrücke.
Ein Besuch bei Hase und Travolta, inklusive Treffen der Trauzeugen und verschiedener Gäste, möglicherweise auch Berichterstattung mit bewegten Bildern. Mir sagt der Gedanke zu, in und aus der “Höhle des Löwen” zu bloggen. - irgendwas habe ich bestimmt vergessen.
Kann aber nichts Wünschenswertes sein, deshalb kehre ich zurück zu Punkt 4.
Travolta hat morgen Geburtstag. 40. Ich muss zugeben, dass mich diese Zahl ein wenig irritiert, vermutlich mehr als ihn selbst. Wie auch immer: morgen früh wird gefeiert, und die Deutsche Bahn bringt mich als privilegierten Vorabendeinchecker gegenwärtig dorthin (kein ICE, kein WLAN, kein Live-Ticker, der den Namen wirklich verdient). Sicher, man könnte sich zu einem runden Geburtstag auch eine schicke Cocktailparty oder eine dreckige Party vorstellen, aber irgendwie scheint der Jubilar zu meinen, dass ein großes Fest im Jahr reicht - was man ihm nicht mal verübeln kann.
Gleich erreicht der Zug den Zielort. Vielleicht kann ich nachher diesen ersten Teil meines Berichts -den der geneigte Leser soeben gelesen hat- veröffentlichen, falls das HuT-WLAN funktioniert. Sonst halt etwas später.
12. April, 2 Uhr morgens: offline bei HuT
Travolta hat Geburtstag. Wir haben im kleinen Kreis reingefeiert - Travolta, Hase und ich. Naja, reingefeiert ist eigentlich zuviel gesagt - um Mitternacht gab’s halt Glückwünsche und ein paar Geschenke, zumindest von Hase und per Post von Travoltas Eltern. Das sm-Geschenk war indes noch nicht ganz fertig: wie bei jedem (halb-)runden Geburtstag werden s und m Travolta in ein Überraschungswochenende entführen, d.h. heute bekommt er eigentlich nur das Datum genannt: 14./15.06.. Ganz hübsch finde ich dabei unsere Idee, den “Wochenendgutschein” im Stil der Hochzeitseinladung zu gestalten. Hase ließ mir heute morgen dankenswerterweise die Vorlage zukommen, so dass wir lediglich den Text zu modifizieren und die Bilder auszutauschen brauchten; allerdings war zudem ein wenig Bastelei nötig, die ich eben -meine Gastgeber sind im Bett, und mittlerweile hat auch der Kater aufgegeben, der mich bis vor ein paar Minuten zu erweichen versuchte, ihn doch noch in sein mein Zimmer zu lassen- mehr schlecht als recht zu einem Abschluss gebracht habe.
Nun sitze ich also in Hases und Travoltas Reich und habe den ganzen Abend versucht, verschiedenste Hochzeitsthemen anzusprechen, aber die beiden üben sich grade ein wenig im Verdrängen: einerseits haben sie festgestellt, dass sie an der einen oder anderen Stelle im Verzug sind, andererseits sind sie zu träge, Abhilfe zu schaffen.
“Hochzeitskleid? - Ach nein, ich muss erst abnehmen. … Termin für’s Standesamt? Nein, den haben wir noch nicht. Wir wissen ja noch nicht mal den Ort. … Nee, der Pfarrer hat uns noch nicht definitiv zugesagt. … Stimmt, so langsam sollten wir uns mal um die Musik kümmern. …”
So richtig Spannendes gibt’s dann wohl doch nicht zu berichten. Dann ist es ja nicht so schlimm, dass ich nicht online bin. Das HuT-WLAN funktioniert zwar im Prinzip; dummerweise kennen meine Gastgeber jedoch das Zugangskennwort nicht. In ihren eigenen Rechnern ist es hinterlegt, so dass sie es seit der Einrichtung nie mehr eingeben mussten, Gäste schauen hingegen in die Röhre. Sicher, ich könnte ihr Gerät verwenden, aber lohnt das den Aufwand? Text per Stick übertragen, Spuren verwischen, damit Hase und Travolta nicht auf Travolta-und-Hase stoßen, … - alles kein Hexenwerk, aber auch nicht so ganz dringend nötig, oder?
12. April, 8 Uhr 30: offline bei HuT
Netter Morgengruß vom Kater, der um mein Bett herumstreicht. Vielleicht will er mich darauf aufmerksam machen, dass Travolta gerade aus dem Haus gegangen ist, um Brötchen zu holen, sodass ich unserem Gutschein den letzten Feinschliff verpassen kann.
Die zuvor erwogenen Videos oder zumindest Fotos aus dem HuT-Heim hätte ich zwar aufnehmen können; einen Mehrwert kann ich allerdings nicht erkennen. Offensichtlich hatte ich eine weit überzogene Vorstellung, in welchem Ausmaß sich an allen Ecken und Enden der Wohnung Zeugnisse der bevorstehenden Hochzeit finden würden.
12. April, 18 Uhr: fassungslos im Zug
Ich hab’s versaut. “What’s new?”, mag die aufmerksame Leserin sagen, schließlich ist dies nicht mein erster Panikanfall wegen der vermeintlich erfolgten Preisgabe unseres geheimen Tagebuchs. Aber diesmal hat es eine andere Dimension erreicht: nicht nur habe ich “travolta-und-hase.de” komplett und deutlich ausgesprochen, nein, vielmehr hat Travolta es auch noch wiederholt und mit einem “Was meinst Du denn damit?” aufgegriffen.
**** [hier stand ein zensiertes Schimpfwort]
Der Reihe nach: Unser Wochenendreisegutschein enthielt, analog zu Hase und Travoltas Hochzeitseinladung, natürlich auch Kontaktdaten, insbesondere Email-Adressen im Stil von irgendwas@m.de bzw. irgendwas@s.de, also willkürlich zugewiesene Adressen zweier von s und m verwalteten Domains. Travolta fragte nach, ob es sich um echte Adressen handle, was ich bejahte:
“Durch Sammelpostfächer ist gewährleistet, dass bei uns im Gegensatz zu Euch nichts verloren geht, also anders als bei travolta-und-hase.de.”
“Travolta-und-hase.de? Was meinst Du denn damit?”
Klingeln an der Tür.
Travolta geht zur Gegensprechanlage, öffnet und wendet sich wieder mir zu.
“Ach ja: falls wir nachher noch Zeit haben, können wir uns vielleicht mal noch darum kümmern, dass das mit den E-mails bei uns1 auch funktioniert.”
Wir haben uns schließlich nicht um das Sammelpostfach gekümmert; es war schlicht kein Thema mehr, und auch travolta-und-hase.de kam nicht nochmals zur Sprache. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit würde ich behaupten, dass Travolta den ganzen Tag nicht mehr an meinen Ausspruch gedacht hat: 40. Geburtstag, zahlreiche Gäste, spannende Geschenke - da hat man anderes im Sinn. Aber irgendwann, so fürchte ich, wird es ihm wieder in den Sinn kommen. Und dann wird Google uns den Rest geben. Selbst wenn wir travolta-und-hase augenblicklich vom Netz nehmen, wird uns der Google-Cache ans Messer liefern.
Depression.
Natürlich habe ich gleich nach meinem Blackout nach einer angemessenen Nonchalance-Phase s angerufen, gebeichtet und Optionen abgewogen. Vom Netz nehmen? Neue, unverfängliche Inhalte einstellen? Domain umleiten? Augen zu und durch? Gibt’s da draußen jemanden, der oder die eine Patentlösung hat? 2
Ich selbst tendiere gegenwärtig leicht zu “Augen zu und durch”. Wenn Travolta tatsächlich Lunte gerochen hat, fliegen wir meines Erachtens in jedem Fall auf, dafür wird Google ganz gewiss sorgen - schließlich ist Travolta zwar mittlerweile etwas älter als der durchschnittliche Powersurfer, aber auch Silver Surfers wissen um die Vorteile des Suchmaschinen-Caches.
Sollte mein Blackout hingegen tatsächlich in den Geburtstags-Emotionen untergegangen und folgenlos geblieben sein, gäbe es offensichtlich erst recht keinen Grund (abgesehen von der nicht ganz abwegigen Annahme, dass mein nächster Lapsus nicht allzu lange auf sich warten lässt), travolta-und-hase.de vom Netz zu nehmen. Dies würde mich insofern ganz besonders freuen, als ich heute einige aufschlussreiche Gespräche führen durfte, die zum Teil sehr interessantes “Blogfutter” versprachen. Beispielsweise habe ich eine ehemalige Mitbewohnerin Travoltas aus Studentenzeiten wieder getroffen, die nicht nur ausführlich aus dem Nähkästchen plaudern könnte, sondern ihre WG-Erlebnisse sogar in Form von Comics aufgearbeitet festgehalten hat. Angesichts der vorangegangenen Ereignisse verzichtete ich zwar darauf, sowohl ihr als auch einem weiteren heißen Kandidaten von unserem Blog zu erzählen und ihre Bereitschaft zur Mitwirkung in Form von Gastbeiträgen zu erfragen; das Feld für eine baldige Kontaktaufnahme wäre jedoch bestellt.
Ach bitte, bitte, bitte, Travolta, leg’ nicht jedes meiner Wörter auf die Goldwaage und vergiss einfach diese unsägliche URL!
Ganz nebenbei: ich sitze übrigens im ICE, habe auch 100% WLAN-Signalstärke, aber die Onlineverbindung klappt trotzdem nicht.
12. April, 21 Uhr 35: daheim, online.
Immerhin: bis jetzt zeigen die Stats noch keine verdächtigen Besuche im Blog an.
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